Dieter Bichler führt als Tourguide bei „querstadtein e.V.“ ganze Gruppen durch Berlin: Vorbei an Orten, an denen er vor ein paar Jahren noch um Geld gebettelt hat oder sich einen Schlafplatz für die Nacht einrichtete.
Der gelernte Mosaik-Pflasterer war nämlich über eine längere Zeit obdachlos – und das mitten in der Hauptstadt, unweit der schicken Boutiquen und noblen Restaurants am Ku’damm. Den Schritt zurück in ein geregeltes Leben mit eigenem Dach über dem Kopf, schaffte Dieter einzig und allein durch eine kleine aber ganz besondere Aufmerksamkeit.
Berliner Obdachloser sorgte für Aufsehen
Es war anfangs ein ganz normaler Abend am Bahnhof Zoo, als sich Dieters Leben plötzlich veränderte. „Ich war alleine und auf einmal hat sich ein Polizist vor mich hingestellt und hat zu mir gesagt ‚Ich hab dich eine ganze Weile lang beobachtet‘“, erinnerte sich der 56-Jährige im Gespräch mit BERLIN LIVE an den ausschlaggebenden Moment zurück.

Der Beamte sprach allerdings noch weiter und meinte: „Du säufst nicht, nimmst keine Drogen oder quatschst Leute an. Du beschäftigst dich mit deinem Buch. Das möchte ich belohnen!“ Er vermittelte Dieter daraufhin einen freien Platz in einem sogenannten betreuten Einzelwohnen. „Du bekommst eine Chance für ein neues Leben“, erläuterte Dieter diese Gelegenheit.
Obdachlosigkeit in Berlin: Jeder kann helfen
„Ich hab sie genutzt“, verkündete der frühere Obdachlose voller Stolz. Und stolz kann er allemal sein. Denn nicht vielen Menschen gelingt der Schritt weg von der Straße. Stattdessen haben sie täglich mit zahlreichen Problemen zu kämpfen – sofern es nicht um ihre eigene Hygiene oder Sicherheit geht, werden sie von anderen Mitmenschen kaum bis gar nicht beachtet oder gar verscheucht.
Mehr News:
Und genau an dieser Stelle kann jeder von uns bereits anfangen, langfristig einen Unterschied zu bewirken. Auf die Frage, wie man wohnungs- und obdachlosen Menschen eine Freude machen kann, antwortete Dieter mit dem simplen Hinweis: Ihnen Aufmerksamkeit geben – dabei reiche es bereits aus, wenn man ihnen beim Vorbeigehen ein Lächeln schenkt. Und das hat ja wohl jeder von uns parat.