Seit dem 1. April 2024 ist Cannabis in Deutschland legal. Harte Strafen und gesellschaftliche Ächtung gehören seither der Vergangenheit an – zumindest in der Theorie. Denn praktisch stehen Alkohol, Tabak und Marihuana seither auf der selben Stufe.
Doch wie lief die Realität wirklich ab? BERLN LIVE hat bei einem Cannabis Club nachgefragt.
Berlin: Clubs leiden unter hohen Hürden
Konsumenten versprachen sich von der Cannabis-Legalisierung viel. Statt mit zwielichtigen Dealern Geschäfte eingehen zu müssen, sollten sie zukünftig in angemeldeten Abgabestellen fündig werden. Statt Blüten zu konsumieren, die teils mit Haarspray oder Waschmittel gestreckt werden, sollte es ab sofort reines Marihuana geben. Gar in verschiedenen Sorten und mit exakten THC-Angaben, sodass jeder genau weiß, worauf er sich einlässt.
Auch interessant: BVG: Gerücht geht um – laufen jetzt alle Fahrer davon?
Doch so wirklich starten konnte bisher kaum ein Verein in Berlin. Das hat auch der Green Social Club erlebt. Eigentlich wollte er im Herzen der Stadt eine Abgabestelle eröffnen, musste dann „aber wegen fehlender behördlicher Freigaben und bürokratischer Blockaden nach Brandenburg ausweichen“, erklärt Christian Schmidt, Vorstandsvorsitzender des Vereins. Ein Problem dabei: Die vielen Bezirksämter, die innerhalb der Stadtgrenzen für sehr unterschiedliche Regelungen sorgen. Dem Verein war das zu heikel, jetzt ist die Eröffnung in Oranienurg geplant.
„Kein Tabuthema mehr“
Es ist ein Schicksal, das nicht nur den Green Social Club erreicht hat, berichtet Schmidt. „Die Umsetzung in den Bundesländern verlief vielerorts schleppend, unkoordiniert und voller Hürden.“ In Verbindung mit den unterschiedlichen Landesregelungen hat das „auf allen Seiten – sowohl bei den Betreiber:innen als auch bei den Konsument:innen – zu großer Verunsicherung und zahlreichen Missverständnissen geführt.“
Doch nicht alles lief im letzten Jahr schlecht, meint Schmidt. Aus Sicht des Vereinsvorstandes hat die Legalisierung gerade gesellschaftlich viel bewegt. „Cannabis ist kein Tabuthema mehr, sondern wird zunehmend als Teil eines regulierten und aufgeklärten Umgangs betrachtet.“ Das mache sich vor allem in Gesprächen mit der Polizei oder mit Vermietern von möglichen Abgabestellen bemerkbar. Vereinsmitglieder werden von ihnen „nicht mehr pauschal als ‚Kiffer‘ abgestempelt, sondern als Menschen ernst genommen“, erklärt er gegenüber BERLIN LIVE.
Mehr News aus Berlin:
Doch trotzdem sieht Schmidt für die Zukunft deutliches Verbesserungspotential. „Es braucht endlich klare, bundeseinheitliche Regelungen für Anbau, Vertrieb und Konsum.“ Außerdem müssen „die zuständigen Behörden besser vorbereitet, personell aufgestockt und fachlich geschult werden, um mit der neuen Realität kompetent und lösungsorientiert umgehen zu können.“ Denn gerade das habe in der Vergangenheit für viel Intransparenz und damit auch zu Unsicherheiten bei der Planung des Green Social Clubs und vieler seiner Kollegen geführt.
Allen voran wünscht sich Christian Schmidt allerdings mehr Verlässlichkeit. Gerade die Union hat im Bundestagswahlkampf immer wieder mit einem Aus der Legalisierung um Wähler gebuhlt. „Die ständige Diskussion über ein mögliches Verbot sorgt für große Unsicherheit. Ein Gesetzgeber, der permanent seine Regeln ändert, ist kein vertrauenswürdiger Partner.“