Veröffentlicht inAktuelles

Berlin: Raketen-Influencer vor Gericht – hat er das Opfer unter Druck gesetzt?

Am Silvesterabend zündete Attaallah Y. eine Rakete in Neukölln, die kurz darauf in einem Wohnhaus landete. Jetzt startete der Prozess.

Berlin
© Jana Wengert / BERLIN LIVE

Kugelbomben in Berlin: Silvester 2024 hinterließ seine Spuren.

Dass es in Berlin an Silvester lauter wird, sollte jedem klar sein.Doch dieses Jahr ging das vielleicht etwas zu weit.

Attaallah Younis ist mit einer Aktion ins neue Jahr gestartet, die in Berlin für reichlich Wut, Ärger und Empörung sorgte: Der Influencer aus dem Westjordanland zündete am Silvesterabend in Neukölln eine Rakete, die kurzerhand in ein Wohnhaus donnerte.

Während der 23-Jährige den Vorfall auch noch auf Kamera festhielt und den Clip im Netz verbreitete, schien er sich um die Personen in der Wohnung und die möglichen Folgen offenbar keine Sorgen zu machen.

Am Mittwoch (2. April) startete der Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Brandstiftung am Landgericht Berlin – exakt 93 Tage nach dem Vorfall. BERLIN LIVE war vor Ort. Dabei kamen interessante Details ans Licht.

Als Tourist in Berlin: Jetzt steht der Raketen-Influencer vor Gericht

In einem weißen Hoodie und mit deutlich mehr Bartwuchs nahm Attaallah neben seinem Verteidiger im Saal 700 Platz. Die Aufmerksamkeit, die der angeklagte Social-Media-Star vermutlich durch Klicks und Likes gewöhnt ist, hat er an diesem Tag in gewisser Art und Weise bekommen – überwiegend durch Pressevertreter. Die Besucher konnten hingegen an einer Hand abgezählt werden, waren zum Großteil Angehörige der geladenen Zeugen.

Berlin
Der Raketen-Influencer steht vor dem Gericht in Berlin. Credit: Jana Wengert / BERLIN LIVE

Als die in der Silvesternacht hochgeladenen Clips abgespielt wurden, sah der Raketen-Influencer jedoch kaum auf den XXL-Monitor – kritzelte stattdessen gedankenverloren immer wieder etwas auf ein Blatt Papier, das vor ihm lag. Auch bei der anschließenden Möglichkeit, sich zu der Tat zu äußern, schwieg er. Als das Opfer, Emin A., dann allerdings den Saal betrat, wurde Attaallah hellhörig.

Opfer äußert sich vor Gericht überraschend

„Er wollte seine Freude teilen und ich hatte das Unglück“, fasste der geschädigte Familienvater den Vorfall in seinen Worten mittels einer Dolmetscherin zusammen. Die Sache sei für ihn aber inzwischen erledigt – immerhin sei der Raketen-Influencer am nächsten Tag mit Bekannten im Schlepptau bei ihm aufgekreuzt, um sich zu entschuldigen. Davon gibt es übrigens ein weiteres Video, das Attaallah ebenfalls auf seinen sozialen Netzwerken verbreitete.

Wirklich glücklich und zufrieden scheint Emin A. darüber aber nicht zu wirken – zumindest, wenn man die Staatsanwaltschaft in diesem Fall fragt: Sie vermutet, dass der 54-Jährige von dem Angeklagten unter Druck gesetzt worden ist. Möglicherweise sei sogar „ein Friedensrichter“ im Spiel gewesen. Ein schwerer Vorwurf, dem der Zeuge bei seiner Vernehmung zwar nicht zustimmt, ihn aber mit seinen Worten auch nicht komplett ausschließt.

Berliner Justiz steht vor offenen Fragen

Und das Fragen-Wirrwarr geht sogar noch weiter. So sprach der Raketen-Influencer bei seiner aufgenommenen Entschuldigung beispielsweise von einem Kinderzimmer, in dem der Böller gelandet war – laut dem dort wohnenden Emin A. sei die Rakete jedoch in seinem Schlafzimmer gelandet. Mal ist von Feuer die Rede, dann sind es nur wieder ein paar Glutnester und angekokelte Gardinen.


Mehr News:


Von einem Urteil ist man jedenfalls noch weit entfernt. „Jetzt steht erstmal die Wahrheitsfindung auf dem Plan“, betonte Inga Wahlen, Sprecherin der Berliner Strafgerichte, gegenüber BERLIN LIVE. Dazu stehen noch weitere geladene Zeugen auf der Liste. Bereits am 7. April geht der Prozess in die nächste Runde.