In den vergangenen Jahren veröffentlichten Tierschutzorganisationen immer wieder Aufnahmen von verschiedenen Betrieben mit Massentierhaltungen. Die Bilder sind oft ähnlich. Man sieht Tiere, die geschlagen und misshandelt werden, und Menschen, denen ihr Handeln egal zu sein scheint.
Zuschauern gefriert dabei oft das Blut in den Adern. Doch was jetzt aus einem Milchvieh-Betrieb in Brandenburg an die Öffentlichkeit gelangt ist, lässt selbst erfahrene Experten stottern.
Brandenburg: Versteckte Kameras zeigen massive Misshandlungen
Man sieht Kühe, die teils Medizinball-große, offene Geschwüre haben. Kälber, die rückwärts durch Futtergitter geworfen oder auch lahmende, kranke Tiere, die mit Stockhieben auf den Kopf zur Melkanlage getrieben werden. Die Aufnahmen, die jetzt aus der Wollschow-Menkiner Agrar GmbH, einem der größten Betriebe in Brandenburg, öffentlich wurden, machen sprachlos.
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Es sind fast 1.000 Stunden Videomaterial, die Misshandlungen der schlimmsten Art zeigen, und die jetzt der Tierrechtsorganisation Aninova zugespielt wurden. Tierschutz-Experte Jan Pfeifer erklärte gegenüber dem RBB: „Mich persönlich hat das sehr getroffen, weil mit dieser Brutalität, wie hier vorgegangen worden ist, in dieser Form habe ich das selten gesehen.“ Aninovia hat nun Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Neuruppin eingereicht.
„Der Umgang ist brutal“
Auch andere Fachleute zeigen sich schockiert. Jochen Weins von der Organisation „Tierärzte für verantwortbare Landwirtschaft“ zeigte sich gegenüber dem RBB fassungslos: „Der Umgang ist brutal. Es werde mit Stöcken auf hochgradig lahme Tiere eingeschlagen, ohne Sinn und Verstand.“ Solche Aufnahmen habe selbst er in 40 Jahren Berufslaufbahn noch nie gesehen, so Weins.
Auch das Veterinäramt ist bereits auf dem Plan. Was mit den Tieren in dem Betrieb im Norden Brandenburgs geschehen ist, ist „tierschutzwidrig“ und gehe „in Richtung Tierquälerei“, sagt Leiter Achim Wendland. Auch er wolle nun rechtliche Schritte einleiten, sowohl gegen die einzelnen Mitarbeiter, die auf den Aufnahmen zu sehen sind, als auch gegen die Verantwortlichen des Betriebs.
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Und wie äußert sich der Betrieb nach Veröffentlichung der Aufnahmen? Geschäftsführer und Eigentümer Ronaldus Meijer äußert sich gegenüber dem Sender schockiert über das, was in seinem Betrieb vorgeht: „Ich bin am Ende.“ Laut eigenen Aussagen habe er, als er den Hof vor einigen Jahren übernommen hat, dafür gesorgt, dass entsprechende Stöcke, die vorher zum Einsatz kamen, entsorgt werden. Auch will er ein Verbot der Misshandlungen ausgesprochen haben.
Auf die Frage, ob die Mitarbeiter von den Aufnahmen noch für ihn arbeiten würden, erklärte er ausweichend: „Wir sind mit dem Veterinäramt im Gespräch und in arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen.“ Weiter äußerte er sich nicht. Auch einen weiteren, ausführlichen Fragenkatalog lies er vor Veröffentlichung der Recherche durch den RBB unbeantwortet.