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Freibäder in Berlin nur noch für Reiche? Hier wird der Sommer zum Luxus erklärt

Wer in diesem Sommer in einem der Freibäder in Berlin Abkühlung suchen will, muss ganz schön Geld hinlegen. Ein Skandal, wenn man mich fragt.

© IMAGO/Emmanuele Contini

Schwere Ausschreitungen in Berliner Freibädern sind keine Seltenheit mehr

Am Sonntag kam es im Prinzenbad in Kreuzberg zu einer Schlägerei zwischen einem 20-Jährigen und einem 17-Jährigen. Am gleichen Tag wurde das Columbiabad in Neukölln geräumt. Vor zwei Wochen kam es zu Prügeleien im Sommerbad Pankow. Nicht erst seit diesem Jahr kochen die Emotionen in Berlins Freibädern immer wieder hoch.

Der beste Ort dieser Stadt ist das Freibad in Berlin-Kreuzberg. Denn Sommer in Berlin bedeutet für mich ganz klar, mehrmals die Woche ins Prinzi – wie wir Kreuzberger unser Sommerbad auch gerne nennen – zu gehen.

Damit bin ich nicht allein, wie die langen Schlangen insbesondere vor den Innenstadt-Bädern zeigen. Doch neben den Wartezeiten kommt nun für die Menschen hier ein erhebliches Problem hinzu. Ein Kommentar.

Freibäder in Berlin: Luxus-Hobby schwimmen gehen

Erstmals nach elf Jahren haben die Berliner Bäder Betriebe die Preise für die Sommerbäder angehoben. Das ist klingt erstmal normal, schließlich wird alles teurer. Doch bei Freibädern sollte das nicht sein. Denn die Preiserhöhung schlägt für viele Menschen ein wie eine Bombe – ähnlich der, die die Jugendlichen in den Freibädern von den Sprungbrettern aus machen. Wer ab dem 4. Mai ein Tagesticket an der Kasse kaufen möchte, zahlt hierfür bis zu 7 Euro! Zum Vergleich: bis zur anstehenden Preiserhebung kostet der Tagestarif 5,50 Euro. Eine Mehrfachkarte (für 20 Besuche) kostete bislang 70 Euro – jetzt sind es 80 Euro.


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Doch das soll es noch nicht gewesen sein. Denn mit der Preiserhöhung gilt auch ein neues System für die Freibäder in Berlin. Diese sind ab diesem Jahr in verschiedene Kategorien unterteilt. Die günstigsten Bäder sind das Kinderbad in Marzahn und das Kinderbad Monbijou in Mitte, so wie das Sommerbad Staaken-West am äußersten Rand Spandaus. Kostenpunkt hier: 6 Euro. Wer in die Kombibäder Seestraße, Gropiusstadt, Mariendorf, ins Sommerbad Olympiastadion und Wuhlheide oder ins Strandbad Wannsee möchte, zahlt hier 6,50 Euro.

Da geht noch mehr

In der Sommerbad-Kategorie Nummer 1 finden sich die Sommerbäder am Insulaner, im Humboldthain, in Pankow und Wilmersdorf, so wie die über die Grenze dieser Stadt hinaus bekannten Sommerbäder Neukölln und Kreuzberg. Ein Tag im Freibad kostet hier allein am Eingang 7 Euro, wer eine Ermäßigung hat, zahlt „nur“ 4,20 Euro. Dabei leben gerade in Neukölln und Kreuzberg sehr viele Menschen auf engem Raum.

Sie sind es, die an den warmen Sommertagen teils stundenlang in der Schlange stehen. Weil jeder gerne mal ins einzig kühle Nass möchte. Denn in Berlins Stadtzentrum gibt es nicht die Seen-Vielfalt, den der Stadtrand oder Brandenburg bieten. Hier gibt es nur die teils überfüllten Bäder – und nun auch noch höhere Preise. Diese treffen auf Teile der Stadt, in der viele arme Familien leben. Deren einzige Sommerbeschäftigung ist oftmals das Freibad. Für Urlaub außerhalb Berlins ist kein Geld da.

Droht hier die nächste Preiserhöhung?

Jetzt wird der Freibad-Besuch immer unbezahlbarer. Denn mit den Eintrittspreisen ist dieser noch längst nicht ausbezahlt! Im vergangenen Jahr wurden bereits die Preise im Kiosk im Prinzenbad angehoben. Einmal Pommes rot-weiß kosten 4 Euro.

Einmal Pommes rot-weiß kostet in diesem Jahr 4 Euro im Freibad in Berlin-Kreuzberg.
Einmal Pommes rot-weiß kostet 4 Euro im Freibad in Berlin-Kreuzberg. Credit: Sarah Fernandez/BERLIN LIVE

Wenn die Preise in diesem Jahr zumindest hier nicht noch einmal erhöht werden, kostet ein Besuch im Prinzi (beim Bezahlen des Tagestarifs) mit Pommes rot-weiß bereits 11 Euro. Bei dieser Rechnung fehlen sowohl das Getränk zu den Pommes als auch das (obligatorische) Eis danach.


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Will man es nicht bei dem einen Besuch belassen, geht das doch ordentlich ins Geld. Wer soll sich das leisten können? Mit der Preiserhöhung in den Bädern in Berlin werden arme Menschen von den kühlen Orten der Stadt ausgeschlossen. Dabei sollten diese allen zugänglich sein.